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von Dominique Omakowski
Haeufig werde ich gefragt, wie DER Israeli denn nun sei. Rau oder lieb? Freundlich oder gemein? Laermend oder ruhig? Schnell oder lahm? Das ist natuerlich immer schwer zu sagen, denn mit menschlichen Eingeschaften ist es wie mit Geruechen: Die kann man mit Worten nur schwerlich beschreiben.
Eins ist klar: er ist anders. Und zwar je nachdem wo man sich in Israel befindet. Denn der Jerusalemer benimmt sich ganz anders als der Tel Aviver. Der Haifaner ganz anders als der Eilater. Ein Kibbutznik ganz anders als ein Grossstaedter. Hierbei sei zu bemerken, dass ich vornehmlich mit Kibbutzniks zu tun habe und dennoch darum bemueht bin, einen Mittelwert zu finden, der die Thematik natuerlich nur ansatzweise anreissen kann.
Eins jedoch steht fuer mich fest: Israelis sind viel unkomplizierter als Deutsche. Das mag die ’suedlaendische Mentalitaet’ sein, aber es ist schon auffaellig, wie einfach man mit den Leuten hier ins Gespraech kommt, wie schnell man zu jemanden nach Hause eingeladen wird und mit welcher Selbstverstaendigkeit sie einem helfen. Das kannte ich aus dem zugegebenermassen nicht gerade fuer seine Freundlichkeit bekannten Berlin jedenfalls nicht.
So scheinen die Israelis sehr daran gewoehnt zu sein, mit fremden Menschen zu reden und diese kommen und gehen zu sehen. Wo ein Deutscher ein Gespraech eher meiden wuerde, unterhaelt sich der Israeli erst recht. Smalltalk ist hier kein Fremdwort. Dazu kommt noch die stark gestikulierende Koerpersprache, die einen haeufig zu der Frage fuehrt, ob man das ganze eigentlich noch als Konversation oder doch schon als Tanz bezeichnen sollte.
Gleichzeitig sind Israelis aber eher unhoeflich und haben nur in seltenen Ausnahmefaellen etwas von Benehmen gehoert: Gegessen wird mit Haenden und Fuessen, Koerpergeraeusche werden nicht unterdrueckt, sondern betont und die grammatikale Hoeflichkeitsform? Nicht existent. Vom Strassenverkehr ganz zu schweigen.
Konkrete Beispiele gewuenscht? Kein Problem: Haelt Ein Bus, um die wartende Meute mitzunehmen, so kann von gegenseitiger Ruecksichtnahme der Einsteigenden keine Rede sein. Szenen, die sonst nur aus dem Berliner Winterschlussverkauf bekannt sind spielen sich dann ab. Oder aber jemand geht zwei Meter vor einem durch eine Tuer, Obacht! Die wird ganz sicher nicht aufgehalten werden.
Darueber hinaus ist den Israelis ein gewisser Hang zum gemuetlichen Sitzen nicht abzusprechen. Ob im Restaurant, in der Bar oder daheim auf der Couch. Die Fuesse haben nur selten Bodenkontakt. Und wozu eigentlicht Schuhe tragen? Ich war schon etwas Ueberrascht, als ich dies das erste Mal gesehen habe.
Wieso sind Israelis so, wie sie sind?
Das Judentum scheint mir hierfuer eine Erklaerung zu liefern. Denn fuer einen Juden sind alle anderen Juden Brueder (Achtung, Hyperbole), die gemeinsame Identifikation ist auf Grund der Geschichte und des aktuellen Konflikts in der Region natuerlich groesser als in den meisten anderen Laendern. Ein selbstverstaendlicher und selbstbewusster Umgang mit den Mitmenschen resultiert daraus.
Auch der sehr praegende Wehrdienst kann als Begruendung dienen. Dort kommen die Israelis in den zwei bzw. drei Jahren mit unglaublich vielen Leuten in Kontakt. Sie sind in einer aehnlichen Situation mit aehnlichen Problemen. Angesichts der Gefahr, die hier fuer einen Soldaten besteht, bekommt der soziale Rueckhalt eine ungekannte Bedeutung.
*** Edit ***
Auf Simons Anregung hin, schreibe ich noch ein paar Merkmale auf. Es stimmt tatsaechlich, dass die Israelis einen vergleichsweise riesigen Respekt vor dem Alter haben. Schon fuenf Jahre Unterschied reichen aus und der Juengere traut sich kaum Witze auf Kosten des Aelteren zu machen. Das gleiche natuerlich im Bus, wo man den Sitzplatz fuer aeltere Menschen freimachen muss.
Ebenso typisch ist das fragen und nur halb zuhoeren der Israelis. Klingelt das Handy des gegenueber, waehrend man gerade erzaehlt, so geht er kommentarlos ran und verschwindet schon mal fuer einige Minuten. Interesse scheinen sie zwar an Auslaendern zu haben, da Touristen mittlerweile relativ rar sind, doch geniesst das Gespraech mit ihnen keine hohe Prioritaet.
Ich moechte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass dies eine sehr subjektive und persoenliche Einschaetzung der Israelischen Mentalitaet ist, die sich nicht mit den Erfahrungen anderer Israel-Besucher ueberschneiden muss.


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